Nikolaus und Stille Nacht 1818

Das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ wird in diesem Jahr 200 Jahre alt und ist so gehört zu dem Fest wie eh und je. Die Nikolaus-Initiative hat jetzt herausgefunden, dass bei der Entstehung dieses Liedes der hl. Nikolaus nicht unbeteiligt war. Uns half der Hinweis, dass die Kirche, in der das Lied Weihnachten 1818 uraufgeführt wurde, dem Heiligen geweiht war. Doch der Reihe nach, es waren schwierige Zeiten, die neue Ideen verlangten:

Nikolaus musste sich 1818 auf eine schwierige Tour vorbereiten, es war nicht nur ein kalter Winter, Die Menschen in Europa hatten sich noch nicht von den langen Kriegen Napoleons erholt. Vieles war noch zerstört, die Armut war groß. Auch das religiöse Leben war ausgehungert. Die Kinder, die geboren wurden, hatten eine schwere Zukunft vor sich. Für die Armen blieb nicht viel übrig. Auch gab es die Klöster nicht mehr, die früher viele versorgt hatten. Napoleon hatte die meisten Klöster enteignet und den Landbesitz an den Adel verteilt. Der hatte aber nur das Land genommen, aber nicht die sozialen Aufgaben der Klöster weitergeführt, sich nämlich um die Armen zu kümmern. Somit hatte die Revolution Napoleons, die in europaweite Kriege umgeschlagen war, das, was an der alten Zeit doch gut war, gleich mit zerschlagen. Viele Menschen mussten in die neu entstehenden Industrieregionen ziehen, auf dem Land war für so viele beim besten Willen keine Arbeit mehr zu organisieren. Und für die vielen Kinder mussten Schulen gebaut werden.

Nikolaus sann nach, was er den Menschen geben könnte, damit sie wieder Mut fassten. Die üblichen Nüsse und Äpfel, die er den Kindern immer gebracht hatte, könnten allein die Stimmung nicht aufhellen. Was es brauchte, waren Männer und Frauen, die Hand anlegten, Not linderten und auch vorsorgten, indem sie Schulen bauten, Heime einrichteten und überhaupt ein Herz für die Armen mitbrachten. Es müsste jemand die Armen als die Menschen darstellen, die von Gott geliebt wurden. Wenn man nun, dachte Nikolaus, den Stall von Bethlehem zum Leuchten bringen würde, so wie der Evangelist Lukas ihn mit dem himmlischen Licht erfüllt hatte, wäre das doch genau richtig für die kleinen Leute. Waren es doch gerade die einfachen Hirten, die das unerhörte Ereignis von Jesu Geburt zuerst verstanden hatten! „Christ, der Retter ist da.“

Da die großen Kirchen in den Städten arg heruntergekommen warnen und viele Menschen auch nicht mehr zum Gottesdienst kamen, musste er eine kleine Kirche finden. Die Kirche sollte ja auch an den Stall in Bethlehem erinnern. Nach einiger Suche wurde er gleich doppelt fündig: Er fand einen Textdichter und eine kleine Dorfkirche, nördlich von Salzburg. Weil auf der Salzach das wertvolle Salz verschifft wurde, gab es dort auch dem Nikolaus geweihte Kirchen, er ist ja Patron der Schiffsleute. Der Zustand „seiner“ Kirche in Oberndorf spiegelt die Zeitumstände. Das Dach war notdürftig geflickt, für die Reparatur der Orgel fehlte das Geld.

Nikolaus hatte mitbekommen, dass Joseph Mohr ein besonderes Faible für Weihnachten auszeichnete. Dieser junge Pfarrer hatte 1816 ein Weihnachtslied gedichtet, das genau das zum Ausdruck brachte, was den Menschen das Herz für das Kind in der Krippe öffnete. In der kalten Kirche sollten sie nicht nur Wärme von außen bekommen, sondern Herzenswärme spüren. Dafür fehlten noch eine Melodie und der Komponist dazu. In Arnsdorf, nahe bei Oberndorf, fand Nikolaus ihn in der Person des Dorfschullehrers Franz Xaver Gruber. Der hatte ein sehr feines Gehör, so dass er manchmal, ganz leise, den himmlischen Gesang der Cherubim erahnen konnte. Auf ihn aufmerksam gemacht hatte ihn dessen Schutzengel. Dieser Schutzengel schlug vor, beide zusammenzubringen, Gruber und Mohr waren sich noch nicht begegnet. Nikolaus musste sich beeilen, denn in sechs Wochen war bereits Weihnachten. Das Wunder geschah: Franz Xaver Gruber, der komponierende Dorfschullehrer aus Arnsdorf, und Joseph Mohr, Textdichter in Oberndorf,  trafen sich, und sofort sprang bei ihnen der Funke über.

Franz Xaver Gruber setzte sich in die Kirche von Oberndorf, um auf eine Eingebung zu warten. Nikolaus winkte einem der Cherubim zu. Der spielte leise auf seiner Laute ein paar Töne. Diese klangen im Ohr von Franz Xaver Gruber ganz leise nach. Langsam formten sich erste Töne, diese vor sich hersummend ging Gruber unter dem Sternenhimmel zu Fuß nach Arnsdorf. Dort nahm er sofort die Gitarre vom Haken und konnte die Melodie spielen, die er mit seinem inneren Ohr gehört hatte. Der Cherub und Nikolaus nicken sich zu, der Cherub musste auch schnell losfliegen, da die Probe für das große himmlische Weihnachtssingen schon begonnen hatte.. Nikolaus war zufrieden und schaute nach Frankreich rüber und dann in die Neue Welt. Da würde das Lied auch bald gesungen werden.

Als Nikolaus am Weihnachtsabend vom Himmel herunterschaute, hörte er, wie in vielen Kirchen Weihnachtslieder gesungen wurden. Eine klang besonders weihnachtlich, sie drang durch das notdürftig reparierte Dach der kleinen Kirche in Oberndorf. Eine weihnachtliche Stimmung erfasste die Menschen, sie schauten zur Krippe hinüber und lauschten dem leisen Klang der Gitarre. „Stille Nacht, heilige Nacht …“ erklang es. Im Himmel summten die Engel mit. Da war sich Nikolaus sicher, dass dieses Lied bald um die Welt gehen würde.

Eckhard Bieger, Helmut Zimmermann, Nikolausinitiative

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